Tierschutz-Strafentscheide in strukturierte Daten verwandeln: Stiftung für das Tier im Recht (TIR)
Die Stiftung für das Tier im Recht (TIR) nutzt Archipanion, um aus dem jährlichen Volumen von rund 2’000 mehrsprachigen Tierschutz-Strafentscheiden strukturierte Falldaten zu extrahieren und damit Analyse und Advocacy zu unterstützen.

Ergebnisse
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Rund 2’000 mehrsprachige tierschutzstrafrechtliche Entscheide wurden im ersten Jahr der Umsetzung verarbeitet, wobei Fallinformationen durch KI in einen strukturierten Datensatz extrahiert wurden, bereit zur Prüfung und zum Import in die Online-Falldatenbank für Tierschutzstraffälle der TIR.
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Ein internes Prüf-Dashboard, entwickelt vom Archipanion-Team, mit dem TIR-Mitarbeitende die KI-extrahierten Daten prüfen, korrigieren und ergänzen können.
- Weniger manuelle Datenerfassung, indem sich die Arbeitszeit der Mitarbeitenden vom Feld-für-Feld-Erfassen von Falldetails hin zum Prüfen vorausgefüllter Falldaten verschob. Das ermöglicht einen effizienteren Zugriff auf Entscheidinformationen für TIRs zentrale regelmässige Tierschutz-Berichterstattung.
Die Herausforderung: vom Gerichtsentscheid zu nutzbaren Daten
Die TIR ist eine Schweizer Tierschutzorganisation, die eng verfolgt, wie das Tierschutzrecht in der Praxis angewendet wird. Jedes Jahr erhält die TIR vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) sämtliche Tierschutzstrafrechtsentscheide aus der ganzen Schweiz, die dem Bund von den Kantonen gemeldet werden. Die TIR führt daraufhin eine schweizweite Datenbank dieser Fälle. Auf dieser Grundlage publiziert die TIR regelmässige Analysen mit Blick auf die Vollzugspraxis, betroffene Tierkategorien oder hinsichtlich der Sanktionshöhe für einzelne Verstösse.
Die Verarbeitung der Strafentscheide ist jedoch anspruchsvoll. Pro Jahr werden in der Schweiz rund 2’000 Tierschutzstrafverfahren durchgeführt. Die entsprechenden Entscheide werden in unterschiedlichen Amtssprachen (zum Beispiel Deutsch, Französisch und Italienisch) verfasst und der TIR als gescannte und anonymisierte PDFs mit unterschiedlicher OCR-Qualität geliefert. Das manuelle Kopieren und Einfügen dieser Informationen in TIRs schweizweite Datenbank ist langsam, repetitiv und zeitaufwendig. Vor der Zusammenarbeit mit Archipanion mussten TIR-Mitarbeitende jeden Entscheid öffnen und ein Datenbankformular Feld für Feld manuell ausfüllen. Die TIR wollte einen Weg finden, diese repetitive Arbeit zu reduzieren und die Arbeitszeit stärker auf Datenanalyse und Advocacy auszurichten.
Die Lösung: KI-gestützte Datenextraktion und Dashboard zur Qualitätsprüfung
Um diese Herausforderung anzugehen, entwickelte und pilotierte Archipanion eine Lösung, die einen KI-gestützten Workflow zur Datenextraktion mit einem internen Dashboard zur Qualitätsprüfung kombinierte. Der Workflow extrahierte die benötigten Fallinformationen automatisch aus jedem Strafentscheid, während das Dashboard den Mitarbeitenden erlaubte, die extrahierten Daten zu verifizieren, zu korrigieren und zu ergänzen. In dieser Pilotphase wurde eine Teilmenge der Strafentscheide verarbeitet, um zu testen, ob KI die benötigten Datenfelder mit ausreichender Genauigkeit extrahieren kann.
Nach dem erfolgreichen Pilotprojekt gingen Archipanion und TIR vom Testbetrieb zu einem operativen Workflow über, der auf drei Schlüsselkomponenten basiert:
1. KI-gestützte Datenextraktion. Dieser Prozess umfasste die Definition eines klaren Sets von Datenbankfeldern, das die bestehende Struktur der TIR-Falldatenbank für Tierschutzstraffälle abbildete (zum Beispiel Kanton, Gericht, Entscheiddatum, Deliktskategorie, Tierkategorie und relevante Gesetzesartikel). Zusätzlich zu diesen strukturierten Feldern wurde die KI auch beauftragt, kurze Zusammenfassungen des Sachverhalts und des Gerichtsentscheids zu erstellen. Das Team legte fest, welche Informationen die KI aus jedem Strafentscheid extrahieren oder zusammenfassen soll. Dadurch wurden Fallinformationen automatisch aus den Entscheiden extrahiert und im Dashboard zur Qualitätsprüfung vorausgefüllt, bereit zur Kontrolle vor dem Import in die Online-Falldatenbank für Tierschutzstraffälle der TIR.
2. Fachliche Qualitätsprüfung. TIR-Mitarbeitende beginnen ihre Arbeit im Dashboard zur Qualitätsprüfung, in dem die Datenbankfelder für jeden Fall durch KI vorausgefüllt sind. Das spart erheblich Arbeitszeit und Ressourcen. Die vorausgefüllten Felder werden neben dem ursprünglichen Entscheid angezeigt, sodass Prüfende Dokument und Datenbank parallel bearbeiten können. Einige Felder bleiben bewusst leer und sind der fachlichen Beurteilung durch die TIR vorbehalten. Prüfende konzentrieren sich darauf, zu kontrollieren, ob die KI die korrekten Informationen extrahiert hat, und die Felder zu ergänzen, die Fachpersonen vorbehalten sind und die die KI nicht zuverlässig alleine ableiten kann. Sobald ein Fall geprüft ist, wird er als abgeschlossen markiert und die Daten werden in die zentrale Datenbank der TIR exportiert. Diese unterstützt sowohl die Analysen als auch die öffentliche Fallsuche auf der TIR-Website.
3. Überprüfung der KI-Genauigkeit. Weil jede Bearbeitung durch TIR-Mitarbeitende im Dashboard zur Qualitätsprüfung nachverfolgt wird, kann das Archipanion-Team messen, wo die KI-Extraktion durchgehend präzise ist und welche Felder weiterhin häufiger Korrekturen erfordern. Diese Erkenntnisse unterstützen laufende technische Verbesserungen und helfen zu identifizieren, wo KI-gestützte Datenextraktion den grössten Nutzen bringt.
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Dashboard zur Qualitätsprüfung, das KI-vorausgefüllte Fallfelder neben dem ursprünglichen Strafentscheid für die fachliche Verifikation und die finale Freigabe vor dem Export zeigt.
Resultate und Nutzen: bessere Daten, weniger manuelle Arbeit
Mit dem KI-gestützten Workflow verfügt TIR nun über:
- Eine deutliche Reduktion manueller Datenerfassung. Mitarbeitende starten nicht mehr mit einem leeren Formular. Stattdessen prüfen und verfeinern sie KI-extrahierte Falldaten und verlagern ihre Zeit von repetitiver Dateneingabe hin zur Qualitätsprüfung.
- Strukturierte, konsistente Daten über Tausende von Fällen. Die automatisierte Extraktion stellt sicher, dass Falldaten weiterhin konsistent erfasst werden, auch wenn sich die zugrunde liegenden Dokumente je nach Kanton, Layout und Sprache unterscheiden.
- Mehr Arbeitszeit für Advocacy und Analyse. Da ein grosser Teil der manuellen Datenerfassung durch KI übernommen wird, kann TIR mehr Arbeitszeit auf die Analyse und Interpretation der Daten konzentrieren.
Erkenntnisse und Ausblick
Auch wenn sich diese Leistung auf Tierschutzstrafentscheide fokussiert, lässt sich dasselbe Muster, KI-gestützte Datenextraktion kombiniert mit einem fachlichen Review-Dashboard, auf jede Organisation anwenden, die grosse Mengen komplexer Rechts- oder Regulierungsdokumente in strukturierte, auswertbare Daten überführen muss. Langfristig besteht zudem Potenzial, neue Arbeitsweisen mit diesen strukturierten Daten zu ermöglichen, zum Beispiel:
- Chatbasierte Analyse der strukturierten Falldaten, sodass TIR-Mitarbeitende Fragen stellen können wie „Zeige aktuelle Fälle mit Pferden in ländlichen Regionen“ oder „Fasse Trends bei Sanktionen für bestimmte Deliktstypen zusammen“.
- Unterstützung beim Verfassen von Berichtsteilen, bei der KI einen ersten Entwurf zu Themen wie bestimmten Tierkategorien oder regionalen Entwicklungen erstellen könnte, stets vorbehaltlich fachlicher Prüfung.
Wenn umgesetzt, könnten diese Entwicklungen die Daten einfacher analysier- und kommunizierbar machen, während die Tierschutz-Expertise weiterhin zentral im Prozess verankert bleibt.
Wenn Ihre Organisation grosse Mengen komplexer Dokumente verarbeitet, ob Gerichtsentscheide, Verwaltungsakten oder andere strukturierte Unterlagen, kann KI-gestützte Datenextraktion Ihre Suche, Analyse und Nutzung dieser Daten deutlich effizienter machen.